Mit freundlicher Unterstützung von Sven Kopf

 

Was geht hier ab?

Die Grundstruktur des Rallycross

Zunächst mal Grundlegendes: Rallycross ist ein Autorennen. Glaubt es oder nicht, aber immer noch trifft der Rallycrossfan bei seiner Missionierung neuer Zuschauer auf den Aberglauben: „Rallycross kenn ich, das ist doch das mit den Motorrädern!“. Außerdem geht es auch nicht darum, irgendwelche Altwagen auf spektakuläre Art und Weise zu entsorgen und das Fahrzeug vor Eintritt in die Presse durch zahlreiche Überschläge ordentlich rund zu machen.

Vielmehr ist Taktik und Voraussicht gefragt, die Reifenwahl kann ausschlaggebend sein und die gefahrene Zeit spielt auch eine sehr wichtige Rolle.

Fassen wir zusammen; bei einer Rallye fasziniert uns der ständig wechselnde Untergrund von Asphalt und Schotter und der Kampf um Sekunden. Die Rundstrecke wird spannend durch Positionskämpfe und den Start im Pulk. Bei der Formel 1 steht die Technik und die enorme Beschleunigung im Vordergrund. Und was stört uns? Bei Rallyes geht es stundenlang durchs Gehölz um irgendwann ein paar Autos vorbeirasen zu sehen. Da hat man bei Rundstreckenrennen schon den besseren Überblick. Hier allerdings geht das Rennen elend lang und letztlich kommt Spannung nur hinsichtlich der Frage auf, ob der Führende seine Position bis zum Ende behält oder ausfällt. Ein Ausfall bedeutet gleichzeitig meistens auch das Aus. Bei der Formel 1 bekommt man keine richtigen Autos zu sehen und bezahlt für Karten ohne Ende. Der Kontakt zu Fahrern oder sogar eine Mitwirkungsmöglichkeit in der Szene oder bei Veranstaltungen sind kaum zu bewerkstelligen.

Klar was jetzt kommt, bei den Rallycrossern ist das besser. Hier überblickt man die ganze Strecke in Stadionatmosphäre und die Wurstbude für die Mittagspause steht im Hintergrund. Der Untergrund besteht aus Asphalt und hat spannende Schotterpassagen für wilde Drifts und starke Einlagen sind auch im Streckenplan enthalten. Es gibt am Renntag unzählige Starts und bis zu acht Fahrer kämpfen um eine gute Zeit und eine gute Position. Jeder Fahrer muss mindestens dreimal ran und hat so bei einem Ausfall immer noch die Möglichkeit auf Punkte und eine gute Platzierung im Finale.

Im einzelnen folgt eine Rallycrossveranstaltung folgenden grundlegenden Regeln:

Das freie Training

Erste Lebenszeichen gibt es im freien Training zu sehen, dem Fahrzeug wird hier der letzte Schliff gegeben und der Fahrer macht sich mit den Streckenbedingungen vertraut. Die Zeit spielt hier noch keine Rolle, es geht schließlich nur um erste Kontaktaufnahmen mit dem Untergrund. Trotzdem hat es schon Fahrer gegeben, die bereits im freien Training ihr Auto aufs Dach gelegt haben. Der Zuschauer, der zum ersten mal dabei ist, braucht diesem Geschehen nicht unbedingt beiwohnen, er verpasst noch nichts rennentscheidendes.

Das Pflichttraining

Logischerweise ist für jeden Fahrer die Teilnahme am Pflichttraining Pflicht . Hier kommt auch die Uhr ins Spiel. Die im Pflichttraining gefahrene Zeit ist die Grundlage für die Einordnung in den Qualifikationsläufen. Wer langsam unterwegs ist, startet in den Qualifikationsläufen mit vergleichbar langsamen oder vergleichbar schnellen Piloten. Der erfahrene und gut informierte Fan erkennt hier schon einiges Taktieren. Da auch in der Qualifikation die Zeit das wichtigste Tatbestandsmerkmal ist, möchte man als schneller Fahrer gern ein paar langsamere Kontrahenten im ersten Qualifikationslauf neben sich sehen, denn dann kann man sich als Favorit schnell absetzen und hat freie Bahn für eine sehr gute Zeit im ersten Qualilauf. Startet man hingegen neben weiteren Topfavoriten und kann diese nicht hinter sich lassen, ist die Zeit schon mal schlechter als die der Fahrer, die sich vor einem platzieren konnten.

Die Qualifikationsläufe

Die „Lahme Gegner Taktik“ aus dem Pflichttraining ist natürlich nur dann effektiv, wenn nicht alle anderen Favoriten dieselbe Idee haben. An einem Renntag finden drei Qualifikationsläufe statt, von denen jeder Lauf bestritten werden muss. Hat man in seiner Division zehn Gegner und fährt die schnellste Zeit, so erhält man einen Punkt, der zweitschnellste zwei usw. Dabei geht es trotz spannender Positionskämpfe immer noch nur um die gefahrene Zeit. Nach den drei Qualifikationsläufen werden dann alle Zeiten verglichen und die erreichten Punkte zusammengerechnet. Jeder Teilnehmer muss zwar an allen drei Qualiläufen mitwirken, sollte er aber ausfallen oder doch nicht an den Start gehen, erhält er eine Maximalzeit, also eine sehr hohe Punktzahl. So hat er dennoch Chancen auf Meisterschaftspunkte und die Zuschauer sehen auch die besten und schnellsten Fahrer in jedem Durchgang. Diese Vorgehensweise wird für jede Division einzeln angewandt. Dieses Prozedere wirft als Ergebnis dann die Startaufstellung für die Finalläufe am Ende des Renntages aus, in der auch endlich die Meisterschaftspunkte vergeben werden.

Die Finalläufe

Die sechzehn schnellsten Fahrer jeder Division erhalten Meisterschaftszähler. Die Vergabe folgt folgender Tabelle:

Platz

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

Punkte

20

17

15

13

12

11

10

9

8

7

6

5

4

3

2

1

Im Superfinale (siehe unten) werden nur Punkte für die Teilnehmer des letzten Rennens des Tages, also bis zum achten Platz, vergeben. Diese Punkte fließen mit ein in die Meisterschaftstabelle.

Platz

1

2

3

4

5

6

7

8

Punkte

20

17

15

13

12

11

10

9

Je nach Teilnehmerzahl gibt es pro Division ein A- ein B- und ein C-Finale (Ausnahme: Superfinale, hier gibt es nur einen Lauf). Die sechzehn schnellsten Piloten teilen sich auf diese Finale auf, die langsamsten sechs der sechzehn nehmen am C-Finale teil, der Gewinner nimmt dann den letzten Platz im B-Finale ein, in dem schon die Fahrer auf ihn warten, welche die 6-10schnellsten Zeiten gefahren sind. Der Gewinner dieses Finallaufs rückt auf den letzten Startplatz im A-Finale, hier wird er von den fünf schnellsten Fahrern des Tages erwartet. Der Sieger dieses Rennens bekommt dann die 20 Punkte.

Das Superfinale

Das Superfinale ist noch einmal ein zusätzliches Highlight am Ende des Renntages. Während es in den einzelnen Finalläufen zuvor separat für jede Division Meisterschaftspunkte gab, so werden im Superfinale noch einmal Punkte vergeben, hier allerdings setzt sich das Fahrerfeld aus allen Divisionen zusammen. Voraussetzung ist aber, dass die Teilnehmer zu den acht schnellsten Fahrern des Tages gehörten. Hier spielen noch mal alle Zeiten aus den Vorläufen eine Rolle, die zusammengerechnet eine divisionsübergreifende Tabelle mit allen Fahrern ergeben. Die schnellsten acht dieser Liste belegen die Plätze für das Superfinale.

Um den Zuschauern immer ein volles Superfinale zu gewährleisten, rücken die zunächst nicht für dieses Finale vorgesehenen Fahrer nach, sofern ein besser platzierter Pilot nicht am Superfinale teilnehmen kann oder auf die Teilnahme verzichtet, wie es Robert Müller im Jahre 2002 einmal gemacht hat. Letztlich wurde er Zweiter hinter Uwe Broda, mit einem hauchdünnen Rückstand. Wäre er im Superfinale angetreten, so hätte er nach dem Start mindestens neun Punkte bekommen und wäre Meister geworden.

Die Teilnahme lohnt sich also. Mancher Fahrer, der im A-Finale gepatzt hat, hat nun die Möglichkeit und wird auch alles daran setzen, die verlorenen Punkte durch eine gute Platzierung im Superfinale wieder gut zu machen. Für Spannung ist also gesorgt, außerdem hat der Zuschauer nun auch die Gelegenheit, schnelle Division 4 Autos mit den Division 1 Fahrzeugen im direkten Kampf zu beobachten und bekommt einen Eindruck von dem Potential, das in einem relativen alten Fahrzeug aus der Gruppe H mit guter Technik und gutem Fahrer stecken kann.